Die Kenntnisse über die Erkrankungen des Lymphgefäßsystems sind auch heute noch für viele Ärzte ein Buch mit sieben Siegeln. Die Leidtragenden sind dabei stets die Betroffenen, denen deshalb nicht oder nur unzureichend geholfen wird.

Dieser Artikel möchte das Problem der Lymphgefäßerkrankungen beleuchten und dadurch zu einem besseren Verständnis für dieses Krankheitsbild beitragen.

Was ist überhaupt das Lymphgefäßsystem?

Hierbei handelt es sich um einen halboffenen Kreislauf von Gefäßen in der die Lymphe fließt. Was aber versteht man unter "halboffen" und was ist denn nun die "Lymphe" selbst. Leider handelt es sich nicht um die griechische Naturgottheit, die Nymphe, sondern um eine in der Regel wasserklare, eiweißhaltige Körperflüssigkeit, die jeder schon mal gesehen hat, wenn er sich verletzt hatte. Vor allem bei Schürfwunden tritt dann ein klares Sekret an die Hautoberfläche und das ist die Lymphe. Diese Flüssigkeit bewegt sich in einem eigenen Gefäßsystem, dem Lymphgefäßsystem, das parallel zum Venensystem des Körpers arbeitet. Während jedoch der Blutkreislauf durch das Herz in Schwung gehalten wird, besitzt das Lymphsystem keinen solchen Antriebsmotor. Das würde auch nicht funktionieren, weil die Lymphbahnen keinen geschlossenen Kreislauf bilden, sondern irgendwo in der Peripherie des Körpers, im Zwischenzellgewebe, beginnen. Dort sammeln sie Gewebeflüssigkeit auf und transportieren diese in immer breiter werdenden "Flüssen" bis zum rechten bzw. linken Venenwinkel, die sich ungefähr auf Höhe des Schlüsselbeins befinden. Deswegen spricht man also vom "halboffenen" Lymphgefäßsystem.

Wie wird nun die Lymphe im Körper transportiert ?

In der Gefäßwand der "größeren" Lymphbahnen befindet sich eine feine Muskelschicht, die Dehnungsrezeptoren enthält, also Fühler, die dem zentralen Nervensystem melden, daß sich das Gefäß gerade füllt und dadurch dicker wird. Das ist deswegen möglich, weil sich in den Gefäßen in bestimmten Abständen Klappen befinden, die verhindern, daß die Flüssigkeit zurückfließt. Schwillt also zwischen zwei solchen Klappen das Gefäß zu sehr an, entsteht ein Dehnungsreiz, der dafür sorgt, daß die Muskeln sich zusammenziehen. Dadurch wird die Lymphe in Richtung Venenwinkel weiter transportiert Man nennt dies Lymph-angio-motorik (wörtlich: "klares Wasser-Gefäß-Bewegung"). Ist der Mensch in Ruhe und liegt im Bett, reicht dieser Mechanismus völlig aus, in Bewegung jedoch, allein schon beim Sitzen oder Stehen braucht er Unterstützung, um die Lymphflüssigkeit nun auch entgegen der Schwerkraft zu transportieren. Das Wunderwerk Körper weiß sich auf faszinierende Weise zu helfen. Er hat dafür fünf Hilfsmechanismen entwickelt.

•  Die Muskelpumpe : Indem sich die großen Muskeln unseres Körpers zusammenziehen (=kontrahieren), drücken sie die in ihnen befindlichen Gefäßbahnen zusammen und pressen dadurch das Wasser dieser Bahnen wieder in Richtung Venenwinkel. Auf die gleiche Weise unterstützen sie übrigens auch die Venen.

•  Die Atmung : Bei Belastung müssen wir tiefer Einatmen, dadurch erhöht sich der Druck im Bauchraum, der wiederum den Lymphtransport unterstützt. Das funktioniert jedoch nur bei der Bauchatmung so richtig gut, denn bei der Brustatmung weitet sich der Brustkorb aus, was zu keiner Druckerhöhung führt.

•  Die Gelenkpumpe : Stellen Sie sich eine dieser alten Pumpen mit einem Pumpenschwengel vor. Durch die Pumpbewegung wurde das Wasser in den Wassertrog befördert. Hier ist es ähnlich, durch die Bewegung in den Gelenken, wird die Lymphflüssigkeit weiter transportiert.

•  Pulsation der Arterien : Es ist schon phänomenal, wie sich der Körper zu helfen weiß. Dadurch daß die Lymphbahnen zum Teil ganz dicht neben den Arterien verlaufen, die ja auch periodisch dicker werden, wenn eine Blutwelle "durch rauscht" (=Puls) werden so ebenfalls die Lymphbahnen komprimiert.

•  Bewegung der Eingeweide : Sowohl die durch die Atmung bedingte Bewegung der Eingeweide, als auch eine vom zentralen Nervensystem unabhängige Eigenbewegung der Eingeweide, drücken die Lymphbahnen zusammen.

Was ist nun die Funktion des Lymphsystems?

Wie wir schon gesehen haben, transportiert das Lymphsystem eine klare Flüssigkeit. Wozu nun ist das gut?

Ich vergleiche das immer ganz gern mit einer Stadt. Da gibt es die großen Verkehrsadern, die dafür sorgen, daß der Kreislauf seine geregelten Bahnen läuft, doch das wäre nicht mehr möglich, wenn alles nach einem Platzregen unter Wasser stünde. Dieses Wasser wird in der Kanalisation entsorgt. Und so eine ähnliche Funktion hat unser Lymphsystem. Ähnlich wie das Wasser in den Straßen am Bordstein zum nächsten Gully läuft und dort in der Kanalisation verschwindet, wird nun das Wasser im Körper und all die Feststoffe, die es mit sich spült, gesammelt und zu den Venenwinkeln transportiert.

Und noch ein Vergleich läßt sich mit dem Platzregen stellen. Er reinigt nämlich nicht nur die Straßen und spült den Dreck fort, sondern er versorgt uns auch, denn ohne Wasser könnten wir nicht leben. Genau die gleiche Funktion hat die Lymphe im Körper: Sie ent- und versorgt im Bereich der Mikrozirkulation des Körpers (auf dieser Ebene erhalten die Zellen ihren Sauerstoff, ihre Fette, Eiweise, Zucker, Mineralstoffe, Abwehrkörper etc. um überhaupt leben zu können) die verschiedenen Körperzellen.

Das Lymphödem

Grundsätzlich ist ein Ödem erst mal eine Schwellung, die, medizinisch gesprochen, durch eine Vermehrung von Flüssigkeit im Interstitium (=Zwischenzellraum) entsteht und mit unseren Sinnesorganen erkennbar ist, d. h. sie ist sichtbar und tastbar.

Stellen Sie ein Ödem fest, sehen sie aber nur ein Symptom. Die Ursache für die Schwellung muss erst noch der Arzt diagnostizieren. Gut, meistens wissen wir selbst ganz genau, bei welcher Gelegenheit wir uns eine Beule zugezogen haben. Wir wissen auch: "Das vergeht wieder". Unerklärlicher wird es aber, wenn eine Frau bei ihrer Schwangerschaft plötzlich abnorm dicke Beine bekommt, wenn eine Wunde am Bein, vor allem bei älteren Menschen mit dickeren Beinen, so gar nicht mehr zuheilen will, oder wenn mit einem Mal das Gewebe unterhalb einer Narbe immer dicker wird.

Um diese Situationen besser beschreiben zu können, hat man das Krankheitsbild Lymphödem (=LÖ) in primäres und sekundäres LÖ unterteilt:

Von primären LÖ spricht man, wenn bereits bei der Geburt eine Fehlbildung der Lymphgefäße vorliegt. So kann es z. B. sein, dass von Anfang an zu wenig Lymphgefäße vorhanden sind, oder dass diese zu eng sind. In beiden Fällen kann die im Gewebe anfallende Lymphe nicht ausreichend abtransportiert werden - es kommt zur Schwellung. Eine angeborene Fehlbildung kann sporadisch auftreten, aber auch familiär gehäuft auftreten. Im Falle einer Ödementwicklung bei Schwangerschaft, war die Anlage des LGS zuvor gerade so gut, dass es für den Transport bei normaler Belastung ausreichte. In der Schwangerschaft lagert sich aber im Körper aufgrund der hormonellen Umstellung viel mehr "Wasser" (=Lymphflüssigkeit) ein, das nun nicht mehr vollständig bewältigt werden kann.

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Häufige Ursache für ein sekundäres LÖ ist die operative Entfernung von Lymphknoten, z.B. im Bereich der Achseln

Das sekundäre LÖ entsteht infolge einer Verletzung, Operation, Infektionen, Bestrahlung oder eines Raum fordernden Prozesses (z.B. Tumor). Mit anderen Worten, alles was ein gesundes Lymphgefässsystem verletzt, kann im ungünstigen Fall auch zu einer bleibenden Schädigung und anschließend zu einem sekundären LÖ führen.

Am häufigsten tritt ein sekundäres Ödem nach Behandlung bösartiger Tumore auf, denn hier werden neben dem Tumor auch einige Lymphknoten des betroffenen Gebietes zwecks Untersuchung auf Metastasenbildung entfernt. Dadurch aber wird der Lymphfluß unterbrochen. Gleich einem Fluss am geschlossenen Staudamm, staut sich die Flüssigkeit davor an, das Gewebe wird dick.

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Sekundäres Armlymphödem als Folge einer Entfernung der Lymphknoten und/oder Strahlenbehandlung nach Brustkrebs

Je nach persönlicher Veranlagung - und leider nicht vorherzusehen - findet der Körper Möglichkeiten, Gewebeschäden bis zu einem gewissen Grade zu kompensieren. Beispielsweise können vorhandene Lymphgefäße zu mehr Leistungsfähigkeit ausgebaut werden, oder es bilden sich Anastomosen (=Umleitungen). Abhängig davon, wie gut die Kompensation funktioniert und wie stark das Lymphsystem im Einzelnen belastet wird, sind unterschiedliche Entwicklungen möglich. Im Idealfall entsteht überhaupt kein Ödem. Es kann aber auch sein, dass sich sehr bald nach einem operativen Eingriff ein LÖ bildet. Manchmal entsteht es aber auch erst Jahre nach einem solchen Eingriff, vor allem dann, wenn man einige wichtige Verhaltensmaßregeln nicht beachtet, wie zu Beispiel sich nicht der direkten Sonnenbestrahlung aussetzen. Das ist letztlich nichts anderes wie eine postoperative Bestrahlung. Auch bei einer Bestrahlung, nach Entfernung eines Tumors, entsteht ein Sonnenbrand, der das Gewebe stark schädigt.

Man teilt das LÖ mit fortschreitendem Stadium der Verschlechterung in vier Stadien ein. Diese Verschlechterung basiert auf verschiedenen körpereigenen Prozessen, die auf die eine oder andere Weise (zum Beispiel OP, aber auch ein "Nicht-Beachten" der empfohlenen Verhaltensregeln; s. u.) aktiviert werden.

Stadium 0 (= Latenzstadium)

Das Lymphgefäßsystem (=LGS) arbeitet bereits, wird aber durch verschiedene Kompensationsmechanismen mit der Bewältigung der Lymphe gerade noch fertig.

Stadium 1 (= reversibles Stadium)

Jetzt ist das LGS überfordert. Im betroffenen Gebiet kommt es zu einer Schwellung, die jedoch noch weich ist. Es lassen sich jetzt Dellen hineindrücken, die erst nach geraumer Zeit wieder verschwinden. Durch Hochlagern der betroffenen Gliedmaße, oder aber auch über Nacht geht die Schwellung zurück.

Stadium II (=spontan irreversibles Stadium)

Die Schwellung ist bereits durch das Auftreten überschüssigen Bindegewebes gekennzeichnet; die oben erwähnte Fibrose wird gebildet. Man kann keine Delle mehr eindrücken und das Hochlagern führt nicht mehr zu einer Abnahme der Schwellung.

Stadium III (=Elephantiasis)

In diesem Stadium sind die Schwellungen extrem, elefantengleich. Die Haut verhärtet und kann durch warzenförmige Wucherungen bedeckt sein. Manchmal entwickeln sich auch große Wülste. Die Gefahr der Wundrosenbildung ist jetzt besonders groß, kann aber auch schon in früheren Stadien auftreten.

Was geschieht konkret, wenn es aufgrund eines sekundären LÖ das Gewebe anschwillt?

Vorausgesetzt es handelt sich um ein eiweißreiches Ödem passiert folgendes in unserem Körper. Bindegewebszellen wandern, ähnlich wie bei einer Schürf oder Schnittwunde, in das Ödem ein und stellen eine neue Bindegewebs-grundsubstanz her. Es entstehen kollagene (= Leim gebende, stark quellende Eiweiskörper) Fasern. Da Bindegewebe aus Eiweiß besteht und Eiweiß Wasser bindet, schwillt das Gewebe an. Dieses Gewebe muss versorgt werden, also bilden sich, wenn auch unzureichend , neue Blutgefäße und auch Fett wird in dem neu entstandenen Gewebe zur Versorgung eingelagert. Ist dies alles geschehen, spricht man von einer Fibrose (= derbes faserreiches Bindegewebe). Ich sagte schon, die Versorgung ist "UNZUREICHEND", denn diese Veränderungen des Gewebes haben eine deutliche Verschlechterung der Immunabwehr zur Folge. Woran liegt das?

Damit Zellen leben können, müssen sie mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt und die, in Stoffwechselprozessen entstandenen, Abfälle entsorgt werden. Jetzt stellen Sie sich bitte mal vor:

Sie können ihre Semmeln nicht mehr beim Bäcker gegenüber und auch nicht mehr im Nachbardorf kaufen, sondern müssten dazu nach München fahren. Das Gleiche gilt für den Müll: Es reicht nicht mehr, ihn vor die Tür zu stellen, sondern Sie müssen dazu ebenfalls nach München fahren.

Ganz schön beschwerlich, nicht wahr?

Genauso ein Zustand besteht aber im neu entstandenen Gewebe: Die Transportwege für die Ver- und Entsorgung des Gewebes werden immer länger und immer schlechter. Damit gelangen auch die Zellen der Immunabwehr, die Körper eigene Feuerwehr, immer schlechter an die Brandherde. So neigen sekundäre LÖ dazu, mit fortschreitendem Schweregrad, sehr schlecht verheilende bakterielle Hautinfektionen (z.B. offene Beine, Wundrose, Ulzera) oder auch Pilzinfektionen zu entwickeln, was wiederum den Zustand des LÖ verschlechtert - ein Teufelskreis entsteht.

!WICHTIG! Es ist nicht sinnvoll eine durch ein Lymphödem bedingte Wundrose mit Wundheilsalbe, Pflaster, Desinfektion u.ä. zu behandeln. Das wäre das Gleiche, als wenn mir mein Auto zeigt es fehlt Öl und ich mach das Lämpchen kaputt, das mir das anzeigt. Das Öl fehlt trotzdem, auch wenn ich das so nicht mehr sehe. Eine sinnvolle, in Regel narbenfreie und anhaltende Heilung tritt nur ein, wenn das Lymphödem behandelt wird.

Ein weiterer Fehler ist es, die "Manuelle Lymphdrainage" nach Abheilung der Wunde wieder abzusetzen, denn die Ursache für das LÖ besteht leider immer noch und damit auch der verschlechterte Versorgungszustand des Gewebes, das heißt ein Rezidiv (=Rückfall) ist vorprogrammiert.

Was empfehlen nun die Ärzte ihren Patientinnen, z.B. nach einer Mama ablatio, unabhängig davon, ob das betroffene Areal anschließend bestrahlt wurde oder nicht?

Im Beruf und Alltag:

Vermeiden Sie Verbrennungen und Verletzungen aller Art, z.B. beim Bügeln. Langen Sie nur mit Handschuhtopflappen in den Backofen. Tragen sie mit dem betroffenen Arm keine schwere Sachen (Koffer, Einkaufstaschen ...) und hängen sie auch nichts Schweres über die betroffene Schulter. Seien Sie achtsam mit dem Küchenmesser und benutzen Sie beim Nähen lieber einen Fingerhut.

Bei der Kleidung:

Sie sollten nichts anhaben, das Sie in irgendeiner Form abschnürt, vor allem nicht die Träger des BHs an der Schulter oder auf dem Brustkorb, aber auch nicht die Ärmel ihrer Bluse. Rock, Hose und Gürtel sollten keinen Druck ausüben.

Schönheits- und Körperpflege:

Schneiden Sie nicht den Nagelfalz bei der Nagelpflege. Vermeiden Sie alkalische Seife und reizende Kosmetika. Schützen Sie Schulter und Oberarm vor der Hitzeeinwirkung einer Trockenhaube. Verzichten Sie lieber auf das ausgedehnte Sonnenbad in der prallen Sonne (Sonnenbrand) und seien Sie auch bei der Sauna behutsam: Sauna kann, muss aber nicht schädlich sein.

Sport, Garten, Haustier:

Verletzungen aller Art (Kratzer, Dornen, Geräte) können das labile System aus dem Gleichgewicht bringen. Ruckartige Bewegungen (Rudern, Tennis, Golf ..) gefährden das betroffene Areal.

Auch beim Arzt gibt es ein paar Punkte zu beachten:

Lassen Sie sich den Blutdruck nur auf der gesunden Seite messen. Ebenso sollten Injektionen oder Blutentnahmen nur auf der nicht betroffenen Seite gemacht werden. Einzige Ausnahme hierzu sind Notfälle. Akupunktur ist auf der betroffenen Seite untersagt.

Weiterhin sollten Sie möglichst aktives und passives Rauchen meiden und im Falle einer Entzündung im betroffenen Areal, einer Mandelentzündung oder auch einer Zahnfleischentzündung sofort den Arzt aufsuchen.

Die komplexe physikalische Entstauungstherapie

Mit einem Lymphödem ist also nicht zu spaßen. Zwar tut es nicht weh, aber mit fortschreitendem Stadium wird die Gewebeversorgung immer schlechter. Je früher also mit einer Behandlung, der komplexen physikalischen Entstauungstherapie, kurz KPE, begonnen wird, umso besser sind die Chancen, das Fortschreiten zu verhindern und sogar den Zustand zu verbessern, d. h. zu einem geringeren Schweregrad zurückzukehren. Bei Behandlungsbeginn im Stadium 1 ist sogar häufig eine Rückführung in das Stadium 0 möglich. Es muss dann zwar weiterhin eine konsequente ärztliche Überwachung stattfinden, aber eine Therapie ist u. U. für lange Zeit nicht mehr notwendig.

Die komplexe physikalische Entstauungstherapie (=KPE) besteht aus zwei Phasen, die jeweils aus vier Elementen bestehen. In Phase 1 wird durch manuelle, Techniken, entsprechender Hautpflege und spezieller Gymnastik, eine möglichst starke Reduzierung der vorhandenen Schwellung angestrebt. Die 2. Phase dient dazu, und das ist jetzt äußerst wichtig , diese Reduzierung zu erhalten.

Warum betone ich das so ausdrücklich?

Weil die Praxis zeigt, dass viele Betroffene anfangs glauben, es reiche aus, wenn der Therapeut mit der "Massage" das Gewebe entstaut und dann auf das Wickeln verzichten möchten (weil unbequem, im Sommer auch noch heiß, und überhaupt nicht kleidsam). Die 2. Phase ist also dazu da, das Ergebnis der manuellen Lymphdrainage zu erhalten und eine gegebenenfalls bereits vorhandene Sklerose oder Fibrose zu verbessern.

Die KPE ist also eine kombinierte Behandlungsform, die in beiden Phasen aus vier Elementen besteht. Nur ihre vereinte Anwendung kann zum bestmöglichen Erfolg führen. Die vier Elemente der KPE sind zusammengefasst:

•  Hautpflege

•  Manuelle Lymphdrainage (= ML)

•  Kompressionstherapie (!!! sehr wichtig !!!)

•  Bewegungstherapie

Die erste Phase dauert, sofern keine Komplikationen (z.B. Diabetes) etwa 3 - 4 Wochen, bzw. ca, 14 Tage, sofern die Erkrankung bereits im Stadium 1 oder 0 erkannt wird. Liegt bereits ein Stadium 3 vor, dauert sie mehrere Monate um eine Rückführung auf ein niedrigeres zu erreichen. Die zweite Phase wird die betroffenen dann meist für den Rest ihres Lebens begleiten, da ein genetisch bedingt zu gering entwickeltes Lymphsystem, oder entfernte Lymphknoten nicht zu ersetzen sind. Einzige Ausnahme ist, wenn eine Rückführung in das Stadium 0 gelingt.

Ist in der Phase 1 ein zufrieden stellendes Resultat erreicht, und bei konsequenter Ausübung wird das immer erreicht, so wird in der Phase 2 dieser Zustand konserviert und optimiert. Jetzt kann man vom Wickeln Abstand nehmen und stattdessen geeignete und maßgeschneiderte Kompressionsstrümpfe einsetzen. Die Hautpflege übernimmt der Patient selbst. Die in der ersten Phase erlernten Bewegungsübungen werden sein tägliches Brot.

Bevor Sie abschließend ein Beispiel für die Effektivität der KPE zu sehen bekommen, gehe ich noch kurz auf die Inhalte der vier Elemente der KPE ein.

•  Hautpflege:

Sie ist unverzichtbar, da die Haut beim Lymphödem zu Entzündungen und Infektionen neigt, die die Grunderkrankung noch verschlimmern. Um Wundrosen etc, zu vermeiden, ist es daher wichtig die Hautbarriere möglichst intakt zu halten.

•  Manuelle Lymphdrainage (= ML)

Kann nur von darauf spezialisierten Therapeuten fachgerecht durchgeführt werden und ist nicht durch eine klassische Massage zu ersetzen. ML regt die der Lymphgefäßwand eigene Pulsation an, wodurch in den noch funktionierenden Gefäßen der Abfluss der Lymphe erhöht wird.

•  Kompressionstherapie

Der durch die ML erhöhte Rückfluss kann nun mit einer geeigneten Kompressionstherapie (spezielle Wickeltechniken) entscheidend unterstützt werden. Dadurch wird erreicht, dass 1. der Fluss der Lymphe in die richtige Richtung läuft und beim Aufstehen nicht wieder durch die Schwerkraft nach unten ins Gewebe versackt und 2. wird dadurch das nicht mehr ganz intakte Gewebe von außen mit dem durch das Wickeln erreichten Druck unterstützt.

•  Bewegungstherapie

Mit dieser aktiviert der Betroffene ganz gezielt seine Transporthilfs-mechanismen (s.o) und erreicht dadurch eine zusätzliche Steigerung des Rücktransportes der Lymphe.

Und hier das kleine Beispiel dafür, wie effektiv die richtige Hilfe sein kann:

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Meine Aufzählung ist aus Gründen der Verständlichkeit keineswegs vollständig

 

Quelle: Abbildungen aus der Broschüre "Das Lymphödem - Entstehung und Behandlung", wissenschaftliche Beratung Frau Prof. Dr. med. E. Földi, Hinterzarten

Copyright: BSN-JOBST GmbH

 
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